Offene Beziehung – alles, was man wissen muss

Beziehungsstatus: Vergeben – aber mit dem Freifahrtschein, sich in anderen Betten zu vergnügen. Schon der Satiriker Ephraim Kishon sagte im 20. Jahrhundert: „Der Mensch ist nicht für die Monogamie gemacht.“

Und anscheinend hatte der gute Mann recht, denn das Beziehungsmodell der offenen Beziehung wird immer beliebter. Dabei ist die geöffnete Partnerschaft nicht mit der Polyamorie zu verwechseln. In dem Fall führen die Menschen parallel mehrere Partnerschaften – bei der offenen Beziehung geht es nur darum, sich mit Erlaubnis sexuell außerhalb der Partnerschaft auszutoben.

Aber um den genauen Unterschied zu kennen, müssen wir einige Fragen klären…

  1. Was ist eine offene Beziehung?
  2. Warum führt man eine offene Beziehung?
  3. Wie kann ich eine offene Beziehung führen?
  4. Wie kann ich eine offene Beziehung ansprechen?
  5. Was tun, wenn man auf zwei Frauen / Männer steht?
  6. Wie viele Menschen wollen überhaupt eine offene Beziehung?
  7. Wie gelingt eine offene Beziehung / Polyamorie?
  8. Welche App ist gut für eine offene Beziehung?

1. Was ist eine offene Beziehung überhaupt?

Im ersten Moment verläuft eine offene Beziehung augenscheinlich wie eine ganz normale Partnerschaft. Es gibt nur eine kleine, aber ausschlaggebende Ausnahme: Sie erlauben sich, sich mit anderen Menschen zum Sex zu verabreden (vergleiche auch Sexbeziehung). Die Partner geben sich somit gegenseitig die Erlaubnis, ihre sexuellen Fantasien außerhalb der eigenen vier Wände mit Außenstehenden auszuleben. Was in den 70er Jahren in manchen Ländern sogar als Straftat galt, ist heutzutage eine moderne Form der Partnerschaft.

Während bei der Polyamorie ein Mensch gleichzeitig mehrere romantische Beziehungen führt, handelt es hierbei um Polygamie. Sprich, ein Mensch hat parallel mehrere Sexpartner – führt allerding mit einer dieser Personen eine romantische Beziehung oder sogar eine Ehe. Und genau das ist der entscheidende Punkt bei einer offenen Beziehung: Romantische Gefühle und eine emotionale Bindung bleibt eine Sache der Zweisamkeit. Außerhalb der Partnerschaft geht es lediglich um die körperliche Ebene.

2. Warum führt man eine offene Beziehung?

Die Gründe, warum eine Beziehung geöffnet wird, sind unterschiedlich. Hier muss vor allem ein Blick darauf geworfen werden, ob es sich von Anfang an um eine offene Beziehung handelt oder die Beziehung zuerst monogam verlief.

Bei Paaren, die über Jahre hinweg eine monogame Partnerschaft geführt haben, werden wiederholend die gleichen Gründe genannt. Laut Paartherapeuten handelt es sich hierbei um sexuelle Unzufriedenheit, körperliche Distanz oder der Wunsch, neue Dinge auszuprobieren. Die Liebe ist allerdings nicht erloschen und die Gefühle für den Partner sind so stark, dass die Beziehung nicht beendet werden soll. Bevor es zu seinem Seitensprung hinter dem Rücken des Partners kommt, werden die unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte angesprochen. Man könnte also von einer Art „Beziehungsretter“ reden, um die Partnerschaft nicht wegen sexuellen Bedürfnissen aufs Spiel zu setzen.

Und bei frischen Beziehungen?

Es kann auch durchaus passieren, dass eine Partnerschaft von Anfang an nicht monogam verläuft. Laut einer US-Studie von YouGov, einem Meinungsforschungsinstitut, gab die Hälfte der U30 Befragten an, dass eine monogame Beziehung nicht mehr im Fokus stehe. Es wird schon zu Beginn festgelegt, dass die Partnerschaft geöffnet werden kann.

Bei einer offenen Beziehung geht es demnach primär darum, seine sexuellen Fantasien auszuleben und die körperlichen Bedürfnisse zu stillen.

Dieser Punkt führt uns auch direkt zur nächsten Frage…

3. Wie kann ich eine offene Beziehung führen?

Nachdem wir nun wissen, dass es bei einer offenen Beziehung um ein rein körperliches und sexuelles Verlangen handelt, ist die Frage, wie das Ganze funktioniert. Einfach einen Seitensprung wagen und dem Partner dann davon erzählen? Oder kommt erst das klärende Gespräch und dann das Vergnügen?

Eine offene Partnerschaft erfordert vor allem eins: Eine klare und unverblümte Kommunikation. Den Partner zu betrügen, hat nichts mit einer offenen Beziehung zu tun und ist schlichtweg Fremdgehen. Bevor es zu einem Auswärtsspiel kommt, muss das klärende Gespräch stattfinden. Dieses Beziehungsmodell kann nur dann funktionieren, wenn es in beidseitigem Einverständnis stattfindet. Beide Partner haben dahingehend die gleichen Rechte – ist einer der Beteiligten nicht damit einverstanden, ist das Vorhaben direkt zum Scheitern verurteilt.

Wer schon beim Gedanken daran verrückt wird, dass der Partner oder die Partnerin sich anderweitig amüsiert, sollte davon absehen, diese Beziehung zu öffnen. Eifersucht darf dabei keine Rolle spielen, innerhalb der offenen Partnerschaft müssen sich beide Partner wohlfühlen.

4. Wie kann ich eine offene Beziehung ansprechen?

Die Grundlage, um die Beziehung zu öffnen, ist eine feste emotionale Bindung. Die Partnerschaft muss eine vertrauensvolle und kommunikative Ebene besitzen und darf nicht schon von Vertrauensproblemen vorbelastet sein.

Wer darüber nachdenkt, den Partner auf eine offene Beziehung anzusprechen, sollte sich vorab selbst ein paar Fragen stellen. Der Wunsch, die Partnerschaft zu öffnen, kommt nicht von ungefähr und hat einen Auslöser. Hier ist es wichtig, diesem Grund auf die Spur zu gehen.

Wo liegt der Reiz?

Die Begründung, einfach neugierig zu sein, ist eher schwach. Vorab sollte sich die Person genau überlegen, warum sie dieses Beziehungsmodell ausprobieren möchte. Sind es besondere Vorlieben, die innerhalb der Partnerschaft vernachlässigt werden? Ist der Grund vielleicht mangelndes sexuelles Interesse des Gegenübers? Nur wer Gründe vortragen kann, stößt damit seinem Gegenüber nicht eiskalt vor den Kopf.

Wie soll die offene Beziehung ablaufen?

Einfach die Beziehung öffnen und dann jeden Tag die Chance auf erotische Abenteuer wahrnehmen können? Oder vielleicht nur in bestimmten Abständen für ein Wochenende das gegenseitige Einverständnis erteilen? Hierbei ist es wichtig, einen Kompromiss zu finden und auch auf die Wünsche des Gegenübers einzugehen.

Regeln festlegen!

Wer darüber nachdenkt, eine offene Beziehung vorzuschlagen, sollte unbedingt Regeln aufstellen. Hier wäre es unter Umständen denkbar, zu vereinbaren, dass es sich nur um einmalige Abenteuer mit einer Person handeln darf. Sind Kontakte aus dem näheren Umfeld erlaubt? Eine der wichtigsten Regeln ist vermutlich, dass die erotischen Abenteuer immer außerhalb der eigenen vier Wände stattfinden.

Es ist also wichtig, sich vorab selbst mit dem Thema der offenen Beziehung zu beschäftigen. Sind die Gefühle nicht mehr vorhanden, ist es zum Beispiel keine Lösung, die Beziehung dadurch retten zu wollen. Die Grundlage ist eine gefestigte Partnerschaft, in der es um rein körperliches Verlangen geht.

Geht es darum, den Wunsch zu äußern, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Das Gespräch sollte zu einer ruhigen Minute erfolgen und nicht innerhalb eines Streits. Sexuelle Wünsche offen zu kommunizieren, gehört zu einer funktionierenden Partnerschaft dazu. Wurde der Wunsch ausgesprochen, darf der Partner oder die Partnerin nicht bedrängt werden. Immerhin wurde gerade mitgeteilt, dass die Person, die man liebt, sich anderweitig vergnügen und abends wieder gemeinsam im Bett liegen möchte. Hier sollte die Möglichkeit zum Verdauen der Neuigkeiten unbedingt gegeben werden.

5. Was tun, wenn man auf zwei Frauen / Männer steht?

Aber was ist, wenn die Beziehung geöffnet wurde und plötzlich tauchen Gefühle auf. Gefühle für eine Person, mit der nur ein erotisches Erlebnis geplant war und die einem nicht mehr aus dem Kopf geht?

Dieses Szenario ist das Worst-Case-Szenario, wenn eine Partnerschaft geöffnet wurde. Der Plan: Sich mit gegenseitiger Erlaubnis sexuell auszutoben, während die Romantik zu Hause in Zweisamkeit stattfindet. Das Ergebnis: Plötzlich kann sich eine der beiden Personen diese romantischen Momente auch mit einem der „Sexpartner“ vorstellen.

In diesem Moment sollten alle Alarmglocken läuten und die Notbremse gezogen werden. Wie schon erwähnt, kann eine offene Beziehung nur mit Kommunikation geführt werden. Es ist also wichtig, dem Partner von den anderen Gefühlen zu erzählen und selbst zu reflektieren. Ist die Partnerschaft vielleicht doch nicht so erfüllend? Die entscheidende Frage ist hier, ob die Beziehung überhaupt noch einen Sinn macht, wenn Gefühle für einen anderen Menschen präsent sind.

6. Wie viele Menschen wollen überhaupt eine offene Beziehung?

Ist es überhaupt möglich, eine klare Aussage darüber zu treffen, wie viele Menschen eine offene Beziehung in Betracht ziehen?

Tatsächlich gibt es verschiedene Studien zu dem Thema und die sprechen für Treue und Zweisamkeit. Theretalk.de hat dazu 10.000 Paare befragt, die seit über einem Jahr in einer Beziehung leben. Dabei stellte sich raus, dass 97 Prozent der Befragten für Monogamie in der Partnerschaft sind.

Auch parship.de hat 2018 eine Umfrage gestartet und wollte wissen, wie viele der Menschen schon Erfahrungen mit einer offenen Beziehung gemacht haben. Dabei gaben lediglich sechs Prozent der Männer und Frauen an, bereits dieses Beziehungsmodell geführt zu haben.

Somit bevorzugt die Mehrheit der Menschen anscheinend immer noch die klassische Partnerschaft, die nicht für andere geöffnet wird.

7. Wie gelingt eine offene Beziehung / Polyamorie?

Damit eine offene Beziehung auch wirklich funktioniert, muss die Beziehung nicht nur harmonieren. Es ist besonders wichtig, vorab klare Regeln zu definieren. Noch dazu müssen beide mit dem Öffnen der Beziehung einverstanden sein. Tobt sich nur der Mann oder die Frau aus und der andere sitzt gemütlich zu Hause, ist die offene Beziehung zum Scheitern verurteilt.

Am wichtigsten ist dabei eine klare und transparente Kommunikation. Sich auf eine geöffnete Partnerschaft zu verständigen und dann kein weiteres Wort darüber zu verlieren, ist nicht fördernd. Wer sich auf dieses Beziehungsmodell einlässt, weiß, dass Sex mit anderen stattfindet. Aber wie viel soll davon auch erzählt werden?

Möchte man wissen, wann und wie es passiert ist und sich anschließend über die sexuellen Abenteuer austauschen? Bei sexuellen Auswärtsspielen sollte es unbedingt nur geschützt zur Sache gehen und grundlegend noch andere Regeln aufgestellt werden.

Dazu gehört auch, Tabupersonen festzulegen. Vielleicht sollten es nicht unbedingt Menschen sein, mit denen auch im Alltag Kontakt besteht. Hierbei könnte zur Absprache gehören, dass Arbeitskollegen oder Personen aus dem Bekanntenkreis absolute Tabus sind. Findet eine Einigung statt, dass ausschließlich über eine bestimmte Webseite oder App nach potenziellen Spielgefährten gesucht wird?

Damit die offene Beziehung gelingt, müssen Rahmenbedingungen festgesetzt und Regeln aufgestellt werden. Regelmäßige Gespräche gehören ebenfalls dazu und sollten genutzt werden, um herauszufinden, ob die Partnerschaft dabei immer noch ihren ursprünglichen Wert besitzt.

8. Welche App ist gut für eine offene Beziehung?

Abschließend stellt sich noch die Frage, wo Menschen in einer offenen Beziehung ihre Sexpartner finden können. Einer der wohl bekanntesten Anbieter im Bereich Casual-Dating ist C-Date.

Allein in Deutschland verzeichnet die Plattform, die auch eine App anbietet, rund 3,5 Millionen Nutzer. Darunter sucht keiner eine romantische Beziehung, sondern erotische Vergnügen. Bei den Mitgliedern handelt es sich sowohl um Singles als auch um Männer und Frauen, die sich in einer Beziehung befinden. Diskretion und Anonymität stehen dabei komplett im Vordergrund und ermöglichen es den Nutzern und Nutzerinnen schnell One-Night-Stands zu finden.

Anhand eines Persönlichkeitstests werden Kontaktvorschläge unterbreitet, die die gleichen sexuellen Interessen und Vorlieben haben. Wer also in seiner Partnerschaft seine Vorlieben nicht ausleben kann, sollte so schnell Gleichgesinnte finden.

Zusammengefasst

Wer mit dem Gedanken einer offenen Beziehung spielt, sollte vorab genau überlegen, welche Beweggründe es gibt. Ist die Beziehung grundlegend voller Risse und auch emotional nicht erfüllend, ist der Weg, sie zu öffnen, vermutlich nicht empfehlenswert.

Die Grundlage ist eine funktionierende und kommunikative Beziehung, bei der es lediglich um sexuelle Bedürfnisse geht. Wichtig ist, dass erst das klärende Gespräch stattfindet und nicht vorab schon ein Seitensprung erfolgt ist. Ohne Regeln besteht schnell die Gefahr, dass das Vorhaben schief geht. Hierzu gehören unter anderem festzulegen, welche Menschen als Tabu gelten und in welchem Rahmen die Partnerschaft geöffnet wird. Beide müssen sich mit dem Beziehungsmodell wohlfühlen und dazu gehört auch eine regelmäßige Kommunikation.

 


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Geschrieben von:
Ben
Ben ist ein Spezialist für Online-Dating.
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